„Ich glaube, dass wir alle – und das täte dem ganzen Kunstbetrieb gut – wieder konzentrierter auf die Kunst und deren Inhalte schauen sollten. Über die letzten Jahrzehnte sind die Museen in den Sog hineingeraten, immer schneller wechselnde Ausstellungen zu produzieren, die oft kurz darauf wieder in Vergessenheit geraten sind. Das kann nicht der Anspruch eines Museums sein.“
In ihrem Werk thematisiert die in Kenia geborene und in New York lebende Wangechi Mutu Fragen der schwarzen, weiblichen Identität im Spannungsfeld zwischen westlicher Konsumkultur, afrikanischer Politik und postkolonialer Geschichte. Bekannt wurde sie durch ihre zwischen Schönheit und Schrecken oszillierenden Collagen: Mittels unterschiedlichster Materialien wie Glitter, Klebeband oder Tierfellen entstehen in Kombination mit Magazinausschnitten eigenwillige Arbeiten, die den weiblichen Körper deformiert, verführerisch, gebieterisch und in ständiger Verwandlung begriffen präsentieren.
Der Lichtkünstler James Turrell hat gemeinsam mit dem Kunstmuseum Wolfsburg seine bisher größte begehbare Lichtinstallation realisiert, die er je fur ein Ausstellungshaus entwickelte: Auf einer Grundflache von 700 Quadratmetern erhebt sich elf Meter hoch bis unter die verglaste Museumsdecke eine Raum-in-Raum-Konstruktion. Man taucht ein in eine geheimnisvolle, malerische Welt aus reinem Licht. Der Künstler selbst nennt selbst nennt dieses Erlebnis “mit den Augen fühlen” und verbindet damit nicht nur eine ästhetische, sondern auch geistige Erfahrung.
Das entschiedene Bekenntnis zur subjektiven Sichtweise des Sammelns steht für den Sammler Thomas Olbricht oben an. Überraschungen und Widersprüche werden nicht gescheut, existenzielle Themen wie Eros, Tod und Vergänglichkeit bilden programmatische Schwerpunkte. Große Namen wie Master of Parrots, John Currin, Eric Fischl, Franz Gertsch, Cindy Sherman oder Marlene Dumas treffen auf Neuentdeckungen wie Corinne von Lebusa, Tomoko Nagai oder Rachel Goodyear. Historische Rückblicke auf Zeitlos-Existentielles werden mit Sichtweisen auf Aktuelles und Zeitgenössisches kombiniert.
Seit dem Beginn der siebziger Jahre hat die im Odenwald geborene Künstlerin Rebecca Horn ein Werk geschaffen, das sich zu einem immer weiter anwachsenden Strom aus Performances, Filmen, skulpturalen Raum-Installationen, Zeichnungen und Fotoübermalungen zusammenfügt. Die Unverwechselbarkeit dieser Bildwelt besteht in der höchst präzisen physischen und technischen Funktionalität, mit der die Künstlerin ihre Skulpturen und deren Bewegungsabläufe in Räumen in Szene setzt. Dabei wird ihr Werk von einer unverwechselbaren konsequenten Logik zusammengehalten. Jede neue Arbeit scheint sich stringent aus der vorherigen zu entwickeln.
Nichts ist in Berlin so beständig wie die Veränderung. Abseits der Hysterie der Kunstmessen entwickelt sich gerade ein für tot gehaltener Kiez zum Pflichtprogramm für Kunstinteressierte. Mit neuen Galerien, einem Freien Museum und ein paar alten Bekannten wird ausgerechnet die Potsdamer Straße zum Gegenpol der Galerienszene in der Heidestraße. Und zwischen den beiden Kunstmeilen funkeln die Neue Nationalgalerie und der Hamburger Bahnhof.
Tilo Schulz lässt sich nicht auf eine Rolle festlegen. Vielfalt und Facettenreichtum des 1972 in Leipzig geborenen und dort aufgewachsenen Künstlers umfassen Skulpturen, Zeichnungen, Bilder und Objekte, ebenso wie raumgreifende Installationen. Darüber hinaus wirkt Schulz auch als Kurator, Autor und Dozent. In seinen Arbeiten hinterfragt er ideologische und soziologische Motivationen von Ausstellungsinszenierungen und Ästhetikvermittlung und bezieht den Betrachter aktiv in die Präsentation ein. “Es geht mir um ein ausgewogenes Verhältnis von Einzelwerken, Ausstellung und Inszenierung – die Faszination am Detail als Bestandteil eines Ganzen… Ein Kunstwerk ist so komplex wie eine Maschine, eine Ausstellung so facettenreich wie ein Film und der Künstler ist dann eben Regisseur oder Mechaniker – je nach Sichtweise.” (Tilo Schulz). Das in diesem Rahmen stattfindende Künstlergespräch wird moderiert von Dr. Alexandra von Stosch.

Nachdem wir vor zwei Jahren den Rohbau des Neuen Museums mit dem Architekten Alexander Schwarz (Chipperfield Berlin) besichtigt haben, werden wir nun von Prof. Dr. Dietrich Wildung durch das Museum geführt. Das Neue Museum inszeniert fulminante Blickachsen. Die Verbindung zwischen den Zeiten, ruinöser Vergangenheit und Wiederaufbau, Nofretetes Glanz und dem Sonnengott Helios machen das Altertum zur großen Bühne. Das von Dietrich Wildung (ehem. Direktor des Ägyptischen Museums) erarbeitete Konzept setzt auf Themenblöcke, weniger auf Chronologie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Präsentation ägyptischer Skulptur als “l’art pour l’art”.